Klaus Heilmann
Autor
Publizist
Risikoforscher
Klaus Heilmann am
15
.
07
.
2016

Experten

Immer dann, wenn in Technologie und Technik über etwas Positives berichtet oder auf eine negative Entwicklung aufmerksam gemacht werden soll, werden von Wissenschaft und Industrie, Politik, Bürgerinitiativen oder den Medien Experten hinzugezogen, damit sich diese zum Thema äußern. Und sie tun es gern, melden sich oft auch selbst zu Wort und ihre Meinungen sind in den Medien zu sehen, hören und lesen. Überall, jederzeit und zu allem werden uns Experten mit ihren Aussagen und Meinungen, Warnungen und Prophezeiungen vorgesetzt. 

Nun, was ist das eigentlich, ein Experte? Wird man ein solcher durch Studium oder Ernennung? Abgesehen von den selbsternannten, die sich gerne im Fernsehen präsentieren, ist ein Experte jemand mit Spezialwissen auf einem ganz bestimmten Gebiet, also ein Spezialist. Der Laie hält ihn allerdings oftmals für einen Spezialisten schlechthin, für jemanden, der zu allem etwas weiß und zu sagen hat. 

Nach meiner Erfahrung ist ein Experte jemand, der auf einem heute immer enger werdenden Tätigkeitsfeld hochspezialisiertes Wissen besitzt und ein Gesichtsfeld von etwa 3 - 5 Grad hat - man nennt dies auch einen Tunnelblick. Ich kannte zwei solcher Spezialisten: Einen Chemiker, der von einem Kernreaktor nicht viel mehr verstand als von einer Waschmaschine und dem sein Fachwissen nach Tschernobyl auch nicht ersparte, von ganz normalen menschlichen Ängsten ergriffen zu werden. Und einen Kernphysiker, der aufgrund seiner Fachkenntnisse über die Folgewirkungen dieser Reaktorkatastrophe die Ängste der Bürger in unserem Land lächerlich fand, den Zahnarzt aber länger nicht mehr aufsuchte, aus Angst, mit AIDS infiziert zu werden. Also, wenn Experten nicht gerade in ihrem eigenen Wissens- und Tätigkeitsbereich um Rat gefragt werden, wissen sie auf Grund ihres Tunnelblicks auch nicht viel mehr als Laien und sind zur Kommunikation mit ihnen meist wenig geeignet.

Für den Laien einen Experten zu verstehen wird vor allem dadurch erschwert, dass in Wissenschaftskreisen eine enorme Meinungsvielfalt herrscht, und Experten – was für sie völlig normal, für Laien aber unbegreiflich ist – in ein und derselben Sache zu vollkommen unterschiedlichen Ergebnissen kommen können. Ihre Beurteilungen erfahren dann meist auch noch gegensätzliche Interpretationen, je nachdem, welchen Motiven, Zielen oder Absichten sie dienen sollen. Summa summarum kann man sagen, dass die meisten Experten nicht in der Lage sind, ihre Arbeit der Öffentlichkeit verständlich zu vermitteln.

Sollten die Experten also lernen, die Sprache des Laien zu sprechen? Einige schon, wenigstens solange wir nicht erwarten können, dass Laien die Sprache der Experten sprechen und verstehen.