Klaus Heilmann
Autor
Publizist
Risikoforscher
Klaus Heilmann am
15
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12
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2016

Unser größtes Risiko der kommenden Jahre

In einer im Auftrag des Lebensversicherers Canada Life vom Institut YouGov in Deutschland, Irland, Kanada und den USA durchgeführten repräsentativen Umfrage wurde mehr als 5.000 Menschen die Frage gestellt: Wenn Sie einmal über die Zukunft generell nachdenken, was ist für Sie das größte Risiko der kommenden zehn Jahre?

Für insgesamt 57% der Befragten dieser vier unterschiedlichen Länder stellt Terror mit Abstand die größte Gefahr der kommenden zehn Jahre dar, wobei die Deutschen sich mit 65% besonders, Kanadier mit 45% am wenigsten besorgt zeigten. Auf Platz zwei der Risiken folgte die Sorge um die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. Besonders in Deutschland wird dieses Problem als sehr groß eingeschätzt: 43% der Bundesbürger sehen darin ein großes Risiko für die Zukunft, während der Gesamtwert über alle Länder hinweg bei 37% liegt. Migration und Flüchtlingskrise stellen ebenfalls überwiegend für die Deutschen ein Risiko dar: Über 40% der Bundesbürger sehen hier große Gefahren für die Zukunft, die Iren folgen mit 32%. Ein anderes Bild zeigte sich beim Klimawandel: In Kanada ist mit 48% fast jeder Zweite besorgt, wohingegen hierzulande nur 29% den Klimawandel als großes Zukunftsrisiko einstufen.

Auffallend bei den Einschätzungen der Risiken jedoch ist, dass das mit Abstand größte Risiko für die Zukunft der Menschheit keine Erwähnung findet: Es ist dies die Zunahme der Weltbevölkerung. Dieses Risiko ist seit langem existent und vergrößert sich derart rasant, dass die Weltbevölkerungszahl bereits in dem Moment überholt ist, in dem sie niedergeschrieben und gelesen wird. Genau gesagt vergrößert sie sich um 150 Menschen pro Minute, um 216.000 pro Tag und somit um 78.000.000 pro Jahr. Im Jahr 2017 wird die Weltbevölkerung 7,5 Milliarden Menschen betragen, danach wird sich die Anzahl der Menschen auf der Erde um durchschnittlich 2,15 Personen pro Sekunde erhöhen. 

Die Zunahme der Weltbevölkerung stellt ein derart gigantisches Risiko dar, dass ihr gegenüber alle anderen heute weltweit diskutierten Risiken als unerheblich betrachtet werden müssen. Selbst längere Kriege und sich häufende große Naturkatastrophen können die Zunahme der Bevölkerung nicht aufhalten, sie können sie bestenfalls verlangsamen. Die einzige Möglichkeit, diesem Risiko wirkungsvoll und nachhaltig zu begegnen, ist in einer konsequenten globalen Geburtenregulierung zu sehen, die sowohl medizinisch wie auch ökonomisch machbar, politisch, ethisch und religiös jedoch umstritten ist. Sollte es dennoch gelingen, die Zunahme der Weltbevölkerung zu steuern, würde es auch möglich sein, all jene Risiken zu reduzieren oder sogar zu beseitigen, die direkt wie indirekt von ihr abhängen und die man heute mit vollkommen unzulänglichen Mitteln zu bekämpfen versucht: Terrorismus, soziale Ungerechtigkeit, Migration und Flüchtlingskrisen.