Klaus Heilmann
Autor
Publizist
Risikoforscher
Klaus Heilmann am
05
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10
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2016

Sicherheit und persönliche Freiheit

Sicherheit und  persönliche Freiheit

Die Terroranschläge in Europa haben erneut deutlich gemacht: Risiken kann man nicht völlig verhindern, man kann sie nur reduzieren. Sie haben aber auch gezeigt, dass der Mensch oder ein Staat umso mehr in Gefahr gerät, je sicherer er sich wähnt. Deshalb gilt bei Sicherheitsexperten und dem Risikomanagement schon immer der Grundsatz, dass es – unabhängig von der Höhe des zu erwartenden maximalen Schadensausmaßes - kosteneffizienter und wirksamer ist, zu versuchen, Risiken zu vermeiden, statt sie zu beherrschen, so wie es besser ist, Krankheiten zu vermeiden, statt sie zu behandeln.

Eine im Auftrag der FAZ durchgeführte Studie des Allensbach-Instituts hat ergeben, dass sich die Deutschen zunehmend vom Terror bedroht fühlen, dass sie sich ihre Freiheiten aber auch nicht nehmen lassen, am Lebensstil einer freien Gesellschaft festhalten und ihre Freiheitsspielräume verteidigen wollen, wobei sie gleichzeitig vom Staat fordern, dass dieser mehr für ihre persönliche Sicherheit tut. Eine solche Forderung ist unrealistisch. 

Wie bei allen risikoreduzierenden Maßnahmen ist der Erfolg eine Funktion des Aufwands. Die Frage kann also nicht lauten: Wollen wir mehr Sicherheit?, denn die wollen wir alle. Sondern sie muss heißen: Wie viel finanzielle Belastung sind wir für mehr Sicherheit zu tragen bereit?

Will man terroristisches Risiko reduzieren, dann kostet das nicht nur Geld, es geht notgedrungen auch auf Kosten persönlicher Freiheiten. Dies hat Auswirkungen auf die Mobilität, die Zuwanderung, den Geldverkehr, den Datenschutz und vieles andere mehr. Die Frage kann also nicht lauten: Wollen wir unsere persönlichen Freiheiten uneingeschränkt erhalten?, denn das wollen wir alle. Sondern sie muss heißen: Wie viel Entzug an persönlicher Freiheit ist uns die Reduzierung von Gefahren wert? Beides ist, wie ich glaube, keine Frage, die jeder Einzelne für sich beantworten kann, sondern eine Frage, die wir als Gesellschaft gemeinsam beantworten müssen. Das hängt damit zusammen, dass Freiheit nie die Freiheit des Einzelnen, sondern immer auch die des Anderen ist. Die Freiheit des Einen muss der Freiheit des Anderen begegnen, sie muss sich sowohl mit der Freiheit des einzelnen Anderen als auch mit der Freiheit vieler Anderer auseinandersetzen. Meine Freiheit ist nichts ohne die Freiheit Anderer.

Die Ängste der Menschen vor Terrorismus sind verständlich, vor allem weil sie trotz ihrer statistischen Seltenheit jederzeit und überall passieren können. Was kann gegen diese Ängste getan werden? Allgemein gültige Ratschläge für den Umgang mit ihnen gibt es nicht. Angst ist etwas sehr Persönliches, jeder erlebt seine Ängste unterschiedlich und muss selbst mit ihnen klarkommen. Jeder muss selbst entscheiden, was für ihn freiheitliches Leben ausmacht, worauf er verzichten kann und was für ihn unverzichtbar ist, er muss also abwägen.