Klaus Heilmann
Autor
Publizist
Risikoforscher
Klaus Heilmann am
15
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10
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2016

Zu Risiken und Nebenwirkungen ...

Jedermann kennt wohl den im bundesdeutschen Fernsehen am häufigsten gesprochenen Satz: "Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“. Für die Werbung von freiverkäuflichen Arzneimitteln in Publikumsmedien ist er als Nachsatz vorgeschrieben und wird meist sehr schnell gesprochen, weil er teure Werbezeit kostet und ohnehin jedem bekannt ist. 

Dass der Nutzen eines Medikaments in diesem Satz keine Erwähnung findet, ist verständlich, soll es sich bei ihm doch um einen Warnhinweis handeln. Erstaunlich ist nur, dass über die völlig unnötige und irreführende Doppelung der Warnung, die dem Arzneimittel ein negatives, einseitiges und unrealistisches Bild verleiht, bisher noch niemand gestolpert ist und auch die betroffenen pharmazeutischen Unternehmen und Verbände dies unwidersprochen hinnehmen. Denn so formuliert ist die Warnung falsch und die Aufforderung zudem unsinnig. 

Die Warnung ist falsch, weil ein Arzneimittel nicht zwei schlechte Seiten hat, Risiken und Nebenwirkungen - die Nebenwirkungen sind seine Risiken. Und die Aufforderung, seinen Arzt zu befragen, ist unsinnig, weil es sich bei den Arzneimitteln, die in den Publikumsmedien beworben werden dürfen, um Mittel der Selbstmedikation handelt. Und für die Selbstmedikation gibt es bekanntlich verschiedene Gründe. Der wichtigste von diesen ist, dass der Patient in bestimmten Erkrankungssituationen zunächst einmal eigenverantwortlich etwas unternehmen, also zuerst einmal versuchen soll, sich selbst zu behandeln und nicht wegen allem und jedem gleich zum Arzt zu laufen.

Die nicht nachvollziehbare Aufforderung, nicht nur den Beipackzettel des Medikaments zu lesen, sondern über seine Risiken und Nebenwirkungen auch noch Arzt oder Apotheker zu befragen, widerspricht aber diesem Ziel der Selbstmedikation. Mit dem Apotheker beim Kauf des Medikaments zu sprechen macht Sinn, denn er versteht etwas davon. Aber seinen Arzt befragen? Das hieße ja, sich hierfür in seine Sprechstunde zu begeben oder ihn anzurufen. Und wenn es zu einem Kontakt dann gekommen ist (der ja eigentlich vermieden werden sollte) und der Arzt einen über die Nebenwirkungen des Medikaments aufgeklärt hat, was wird er einem dann noch über dessen Risiken zu sagen haben?

Also, bevor man seinen Arzt in die Schwierigkeit bringt, einem neben den Nebenwirkungen eines Medikaments auch noch seine Risiken erklären zu lassen, sollte man den berühmten Satz besser abschaffen!