Klaus Heilmann
Autor
Publizist
Risikoforscher
Klaus Heilmann am
04
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12
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2016

Die nächste Katastrophe kommt bestimmt

Viele machen sich heute über ihre Sicherheit Gedanken, befürchten durch den Einsatz moderner Techniken ernste Probleme und irreversible Folgen für Mensch und Umwelt. Und diese Ängste sind nicht irrational, werden wir doch beinahe laufend mit Unfällen und Katastrophen konfrontiert. Es sind dies nicht nur die großen Katastrophen, wie wir sie von Tschernobyl und Fukushima, von Seveso und Bhopal in Erinnerung haben, sondern auch die zunehmenden Unglücke, Pannen und Zwischenfälle im Alltag, sei es unterwegs, im Haushalt oder am Arbeitsplatz. 

Leider ist die Sorge vor einer Zunahme derartiger Zwischenfälle im täglichen Leben durchaus berechtigt, ist doch zu befürchten, dass unternehmerische Profitgier, staatlich geförderte Wachstumssteigerung und Konsumrausch die Produktions- und Gebrauchssicherheit industrieller und wirtschaftlicher Produkte immer stärker reduzieren. In allen Bereichen der Entwicklung und Herstellung chemischer und technischer Produkte und Güter hat dies einen unmittelbaren Einfluss auf unsere Sicherheit, sowohl auf Erzeugnisse der Ernährung, Gesundheit und Mobilität, als auch auf solche, die wir täglich zu nutzen gewohnt sind, ohne uns dabei bewusst zu sein, dass sie für uns jederzeit zu akuter Gefahr werden können. 

Wissenschaftliche und technische Innovationen werden heutzutage viel zu rasch entwickelt, produziert und eingesetzt, obwohl sie nicht ausreichend erprobt sind oder den Sicherheitsstandards noch nicht genügen, was aus ökonomischen Gründen aber bedenkenlos toleriert und in Kauf genommen wird. Beispiele, die dies belegen, sind die ständig neuen Zwischenfälle und Rückrufaktionen bei Großraumjets, Automobilen oder Mobiltelefonen, bei Möbeln, Nahrungsmitteln und Medikamenten. Es ist nicht nur abzusehen, wann die Ursachen hierfür zu Unglücken und sogar Katastrophen führen werden, sondern auch zu befürchten, dass derartige Ereignisse für die Verantwortlichen immer wieder Anlass zum Beschönigen der Lage, Verschweigen der Risiken und Vertuschen der Ursachen werden. Glauben wir also nicht alles, was man uns glauben lassen will!

Und diese Ereignisse müssen zunehmend auch den hemmungslos profitorientierten Produzenten und Betreibern technischer Produkte angelastet werden. Wenn Flugzeuge - um nur einige Beispiele der jüngsten Vergangenheit zu nennen - wegen Treibstoffmangel abstürzen, Smartphone-Akkus brennen und Airbags explodieren, so sind diese Ereignisse zwar technischer Art aber in den wenigsten Fällen der Technik selbst anzulasten.

Eine weitgehend fehlerfreie Bereitstellung von technischen und chemischen Produkten und deren sichere Handhabung ist prinzipiell durchaus möglich, wird aber zunehmend in Frage gestellt, wenn die von Politik und Wirtschaft gewünschte Steigerung des Wirtschaftswachstums den Konsum weiter anheizt. Die Unternehmen können aber nicht zu Dumping-Konditionen produzieren, verkaufen und betreiben und gleichzeitig die Gebrauchssicherheit ihrer Produkte maximal garantieren. Bei der heute vorherrschenden Maxime, immer mehr Gewinn mit immer weniger Aufwand, muss die Sicherheit gegenüber dem Profit auf der Strecke bleiben, im Auto-, Zug- und Flugverkehr, im Kinderzimmer und auf dem Kreuzfahrtschiff. 

Machen wir uns also bewusst: die nächste Katastrophe kommt bestimmt. Und wenn wir auch nicht wissen, wann und wo sie kommt und wen sie treffen wird, seien wir wenigstens auf sie eingestellt!