Klaus Heilmann
Autor
Publizist
Risikoforscher
Klaus Heilmann am
01
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07
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2016

Fernsehen als Informationsmedium

Informationen über wissenschaftliche Ergebnisse oder industrielle Innovationen kann der Bürger meist nicht direkt erhalten, sie werden ihm über die Medien vermittelt. Verständliche und unbeeinflusste Information ist somit notwendig. Zu den wichtigsten Vermittlern von Information zählen neben den Printmedien und dem Hörfunk das Fernsehen, das in Deutschland trotz Internet weiterhin das meistgenutzte Medium ist.

Fernsehen ist das Medium der Bilder, von denen wir immer stärker abhängig geworden sind. Und für seine Bilder, nicht seine Worte, wird es genutzt und geliebt. Bilder von Naturkatastrophen, hungernden Kindern oder Kriegsopfern erschüttern uns, lassen uns nicht kalt und lösen Spendenfluten aus, weil sie mehr in uns ansprechen als nur den Intellekt, uns schneller erreichen, direkter berühren und unter die Haut gehen. Spendenaufrufe im Radio vermögen gleiches nicht. Sobald es jedoch von den Katastrophen keine Bilder mehr gibt, sobald lassen auch Interesse und Anteilnahme nach.

Es gibt eine Volksweisheit, der zufolge ein Bild mehr sagt als tausend Worte. Und genau dies ist es, was das Bild in der Vermittlung von Information so problematisch macht: dass es im Gegensatz zum Wort alles sagen kann und auch nichts. Aber ist nicht das Bild etwas Konkretes, Gegenständliches, Greifbares und deshalb auch leicht verständlich, wohingegen das Wort, weil gedacht, abstrakt bleibt? Bilder sind zwar konkret, müssen deshalb aber die Realität nicht objektiv wiedergeben und wahr sein. Sie können manipuliert und inszeniert, montiert oder am Computer künstlich erzeugt, mit einem Wort gefälscht worden sein. Was nichts anderes bedeutet, als dass sie nichts dokumentieren, bestätigen oder beweisen müssen, umso mehr aber lügen und den Betrachter täuschen können.

Für Nachrichten im Fernsehen ist aber gerade dies problematisch, denn mehr als andere Medien genießen die Nachrichtensendungen von vornherein einen Wahrheitsstatus, verbinden wir mit ihnen Glaubwürdigkeit. Doch wie haben sie sich bei uns seit ihren Anfängen Mitte der 1950er Jahre verändert! Streng wurde zwischen Unterhaltung und Information unterschieden. Die Nachrichten, der eigentliche und damals wichtigste Teil des Programms, wurden ohne Bilder gebracht. Genau genommen waren es Radionachrichten, mit dem einzigen Unterschied zum Hörfunk, dass der Sprecher zu sehen war. Heute sind die Nachrichten, extrem formuliert, eine Mischung aus Infotainment und Programmvorschau.

Auf Grund meiner langjährigen Beschäftigung mit medialer Informationsvermittlung wie auch längerer eigener Fernseherfahrung bin ich zu dem Schluss gekommen, dass das Medium Fernsehen primär ein Unterhaltungsmedium ist und sich für die Vermittlung von sachlicher, unverfälschter Information wenig eignet. Und dies vor allem deshalb, weil bei den Nachrichten im Fernsehen Bild und Wort in direkte Konkurrenz zueinander treten: Die Bilder, die immer stärker als die Worte sind, ziehen den Rezipienten mit sich, womit der Inhalt der Worte verloren geht. Bilder und Worte sind nur dann gleich stark, wenn das Bild im gleichen Moment zeigt, was das Wort sagt. Aber das zu realisieren ist schwer und auch deshalb heute kaum noch auf dem Bildschirm zu sehen. 

Nein, für mich ist - im Gegensatz zum Hörfunk - das Fernsehen kein ideales Informationsmedium!